Kölsche Originale

Kölsche Orgenale – su woodte Minsche genannt, die juxige ov komische Enfäll hatte. Se all hatte usgefalle Idee un mancheiner soch och e bessche löstig us ov dät sich ärg klüchtig verhalde. Meddlerwiel kennt mer se kaum noch – doröm es et an der Zigg, se uns ald widder en et Gedächnis zo rofe. 

Duvegriet

Duvegriet (weitere Daten unbekannt)

Zunächst zu erwähnen ist jedoch Konstantin von Lyskirchen. Der Vater von 9 Kindern widmetet sich verstärkt der Taubenzucht – sehr zum Leidwesen seiner Frau Gertrud. Denn er züchtete die Tierchen nicht nur, er verzehrte sie auch dutzendweise. Doch von Lyskirchen war nicht nur Taubenliebhaber, er war von 1613 bis 1631 auch Kölner Bürgermeister und reagierte durchaus staatsmännisch auf die Vorhaltungen seiner Gattin: „In diesen unruhigen Zeiten muß ein Bürgermeister auch im Kleinen seinen Willen auftischen!“
Später gab es noch viele Taubenliebhabe und das Federvieh entwickelte sich sozusagen zum „Rennpferd des kleinen Mannes“. Regelmäßig traf man sich auf Taubenbörsen und tauschte seine Erfahrungen nebst Vogel am Tisch aus.
Dennoch war die bekannteste unter ihnen „et Duvegriet“ in der Lungengasse. Sie hatte sich auf den Verkauf der Tauben spezialisiert. Besonders beliebt war der Laden bei Herrschaften aus dem Rechtsrheinischen, da besonders die „Bergischen“ wahrhaftige „Duvejecke“ waren. Sie schaffte es, den kleinen Laden an Sonntagen in Scharen zu füllen und so ist es nur recht, dass der bekannte Dichter Franz-Peter Kürten sich diesem Kölner Original angenommen hat und das Gedicht als Erinnerung an „et Duvegriet“ schrieb – selbstverständlich in rechts-kölnischer Mundart!

An alle Duvegecke

„Klätscher, Kröpper un Kalotte,
Mövche, fried gän Schmeß un Wenk,
Tiger, Döllche, Zipriänche
met nem rude Ogerenk.

Türke, Laach- un Felseduve,
Indianer, schwatz un rut,
alle Zoote, alle Färve,
fromm wie’n Quissel, frech wie’n Schrut.

För de Korv em Gangk, am Zappes,
för de Givvelstuvv un Schläg,
jeder fengk sing Aat, un bellig!
Un su lohnt sich jede Wäg!

Gratis gevv ich iesch Belihrong
uevver Foder, Fläg un Zuch;
nor gebore Duvegecke
kriegen Dier hee, dat es Bruch.

Su, no kutt! Et Kicke koß nix,
un beim Kicke kütt der Spaß.
Männech ärm Levve kräg iesch Freud beim
Duvegriet, Köln, Lungegaß!“

Bis in die 1970er Jahre hinein gab es in der Anno-Straße das Lokal „Zur Taubenbörse“. Dort wurde sich jeden Sonntag zwischen 9 und 12 getroffen und um Tauben gefeilscht. Ca. zwanzig „Duvejecke“ trafen dort wöchentlich zusammen, ausgestattet mit Körben und Käfigen, um ihre gefiederten Freunde zu tauschen oder zu verkaufen. Jedoch kostete es damals bereits ein ordentliches Sümmen, sich diesem ehemals „Sport der Armen“ hinzugeben. Ronnie Radlach zitierte in einem seiner Berichte das Hobby mit dem Satz: „Wenn Do Ding Jeld ens fleege sin wells, dann muß Do Dir e paar Duuve kaufe, dann kanns Do et fleege sin!“