Kölsche Originale

Miebes, Helden- und Eisen-Tenor (Bartholomäus Basseng 05.05.1842 – 14.09.1906)

Geboren am 05. Mai 1842 in der Löhrgasse, Köln, war eine kräftige Tenorstimme schon früh sein Markenzeichen. Nicht zuletzt deswegen, weil sogenannte Freunde ihn glauben ließen, seine Stimme wäre die kraftvollste der Welt. Tatsächlich war das Organ zwar wohlklingend, doch es fehlte den Tönen an Reinheit und Bartholomäus Basseng schlichtweg an Talent. Doch an den Schmeicheleien seiner Freunde hielt er fest & schmetterte schon bald auf Wunsch die tollsten Arien der Opernbühnen.

Ungewöhnliche Auftritte
Auch sein Gesangslehrer erkannte bald die mangelnde Begabung. Zwar versuchte er immer wieder, das Gehör seines Schülers für die missratenen Töne zu schule, doch vergebens. Bald trennte man sich voneinander und so blieb dem „Naturbegabten“ zwar die Bühne verwehrt, nicht jedoch die Kölner Wirtshäuser. Und sofern diese nicht rechtzeitig ihre Türen vor ihm verschlossen, bekamen die Gäste eine Show geboten, die musikalisch zwar unterirdisch war, dafür jedoch großen Unterhaltungswert vorwies: Zunächst legte sich Miebes mit dem Bauch platt auf einen Tisch und schmetterte das hohe ‚D‘. Danach steckte er den Kopf in einen erkalteten Ofen und sang hinein – nicht, ohne vorher alle Gäste auf die Straße zu schicken, um dort den austretenden Tönen zu lauschen. Angeblich löschte er einmal mit einem hohen ‚C‘ alle Gasflammen aus; nicht jedoch, ohne den Zappjungen zuvor instruiert zu haben, diese abzudrehen.
In Wirklichkeit wurde dem Mann, der geistig durchaus etwas zurückgeblieben war, sehr oft von Journalisten verspottet. So hieß es beispielsweise in den Kölner Nachrichten am 18. November 1887 in der Rubrik „Theater und Musik“:

„[…] Punkt 10 Uhr kündigten Fanfaren den ungeduldig Harrenden das Nahen des Künstlers. […] Die Stretta hatte Herr Basseng recht geschmackvoll „umgearbeitet“, Es fiel zwar auf, daß Manriko gewöhnlich drei bis vier Töne höher einsetzte als vorgeschrieben – doch das ist gewiss Künstlerlaune, „seine Höhe gestattet ihm das“, sie ist wahrhaft formidabel, verblüffend. […] Ja ja, es gibt noch Talente. Zwar meinte ein bekannter Mime, es sei kein Wunder, daß Basseng hoch sänge, er sei ja Dachdecker. […]“

Auf die Frage, woher er seine „außergewöhnliche Stimme“ habe, antwortete Miebes stets: Minge Stross ess vun Ihser (daher auch der Spitzname „Eisen-Tenor“) und dem Heldentenor Bruno Heydrich – einem wahrhaft stimmgewaltigen Sänger – rief er einmal von der Theatergalerie zu: „Och, wat e Kinderstemmche. Soll ich ens erunder kumme?“
Keiner seiner „Freunde“, die ihn jahrelang in dem Glauben ließen, er habe musikalisches Talent, blieben auf Dauer bei ihm. Als ihn ein Schlaganfall ereilte, wurde er in das Augusta-Hospital eingeliefert, wo er kurz darauf am 14.09.1906 verstarb.