Kölsche Originale

Kölner Originale – so nannte man Menschen mit sonderbaren Einfällen und Gepflogenheiten. Sie alle besitzen ungewöhnliche Fähigkeiten und lebten zumeist im 18. / 19. Jhdt. Mittlerweile kennt man sie kaum noch – darum ist es Zeit, an sie zu erinnern und sie uns wieder einmal ins Gedächtnis zu rufen.

Schäbens Tünn (Anton Hubert Scheben 01. März 1847 - 06. Juli 1903)

In der Gartenanlage des Klosters Knechtsteden steht eine steinerne Figur des heiligen Antonius, dessen Geschichte sich zu kennen lohnt. Denn der Fortbestand des Klosters ist eng mit ihr verknüpft, umso mehr verwundert es, dass die „wertlose“ Figur bei Restaurationsarbeiten aus der Klosterhalle verbannt und irgendwo im hinteren Garten aufgestellt wurde. Wie es zu der Statue im Kloster kam, ist schnell erzählt: Als Anton Scheben – Vorstandsmitglied des Vereins Missionshaus Knechtsteden – am 6. Juli 1903 verstarb, wurde ihm zu Ehren beschlossen, eine Antonius Staue zu errichten. Denn wie schon sein Großonkel zuvor, hatte Anton Scheben sich große Verdienste um das Gotteshaus erworben.

Ein Wirtshaus mit Geschichte

Und so schlagen wir einen Bogen vom hl. Antonius zu Schäbens-Tünn. Er führte auf der Breite Straße eine stadtbekannte Gaststätte, war der Sohn des Bierbrauers Johann Heinrich Scheben & Neffe des Landtagsabgeordneten Wilhelm Scheben. Die Geschichte des Gasthauses „Zur Zweipann“ geht bis ins 13. Jhdt. Zurück; die Brauerei selbst entstand um 1730. „Zweispann“ wurde sie deswegen genannt, weil sie zwei Braupfannen vorweisen konnte und dadurch natürlich einen großen Bierausschank hatte. 1868 übernahm Anton Scheben mit 31 Jahren das Gasthaus und verhalf ihm zur Blütezeit. Viele Streiche wurden hier ausgeheckt; viele Ideen geboren!
Doch nicht nur das Bier war absoluter Kult, auch Schäbens-Tünn wurde zum Markenzeichen und auch oft Opfer lustiger Streiche. Nicht selten wurde seine geliebte Schnupftabakdose „mitgenommen“; einmal wurde sogar sein geliebter Kanarienvogel entführt und gegen einen Spatz ausgetauscht. Ein anderes Mal wollte ein Stammgast „Rache“ nehmen, weil er am Abend zuvor nicht mehr eingelassen worden war: Er kam morgens, entschuldigte sich wortreich beim Tünn – und als dieser ihm ein Bier brachte, machte der Gast beim Trinken „aus Versehen“ eine so heftige Bewegung, dass es sich über Antons Weste ergoss. Als dieser sich umgezogen hatte, wollte der Gast das Spiel wiederholen, hatte jedoch nicht mit der Reaktion Antons gerechnet. Denn dieser fing das Glas auf und goss es dem Gast über den Kopf. Ein anderes Mal ging der Streich auf die Kosten der Gäste: So wurde diesen im Haus des Öfteren einfach das Licht ausgeblasen, denn zur damaligen Zeit wurde die Gasversorgung noch von außen bedient – blies man in den Hahn, ging im Haus das Licht aus; sehr zum Vergnügen der Gäste, die draußen im Biergarten saßen.
Doch nicht nur Streiche, auch öffentliche Loblieder wurden dem Schäbens-Tünn zuteil:

„Nä, unse Tünn dä gode
sorg, dat mer han Genoß.
Denn Fleisch, Gemös un Brohde
Gitt et hä em Üvverfluß!“

Im Großen und Ganzen waren es sehr gesellige Runden, die dort beim Bier zusammen saßen. Es gab viele Stammtische und das Wirtshaus machte einige Hochs & Tiefs mit. So gab es in den 70er Jahren einen Einbruch des kölschen Biermarken – Münchener und Dortmunder Bier hatten das Kölsch fast verdrängt. Doch als immer mehr Haus-Brauereien schließen mussten, schaffte der Stadtrat Steuererleichterungen für in Köln gebrautes Bier.

Die Rettung des Klosters

Doch zurück zu Anton Scheben und der Frage, wieso er sich zur Rettung des Klosters Knechtsteden so ins Zeug warf und dass dies keineswegs aus Geldgier sondern aus tiefer Frömmigkeit heraus passierte. Es begann damit, dass Anton als 8-jähriger Helfer in der Minoritenkirche Messdiener war und dort den späteren Gesellen-Vater Adolf Kolping kennenlernte. 1869 vernahm er nun, dass ein verheerender Brand die Abtei Knechtsteden verwüstet hatte, also die Abtei, die sein Onkel Winand Kayser 1810 zusammen mit Freunden erworben hatte. Nun eilte Anton nach Knechtsteden, um beim Löschen und Retten zu helfen. Er wurde dabei jedoch von entzürnten Bauern angegriffen, die die Rettung verhindern wollten. Es hieß sogar, der Brand sei von ihnen gelegt worden,
Doch der Brand wurde gelöscht und um die Kirche vor dem kompletten Verfall zu retten, wandte Anton sich 1871 an Wilhelm I., der ihm einen Zuschuss von 5000 Talern bewilligte, um so zumindest das Dach zu retten. Die Stadt Köln selbst lehnte jeden Antrag auf Unterstützung ab. Das führte dazu, dass Anton den „Bau- und Reparatur-Verein für das Kloster Knechtsteden“ ins Leben rief, dem er bis zu seinem Tod 1903 als Vorstand angehörte.
Als er nach kurzer Krankheit verstarb, würdigte der Vorstand des Vereins seine Verdienste durch Aufstellen der Antonius-Statue. Im Nachruf des Kölner Stadtanzeigers hieß es unter anderem: … Er war ein biederer Kölner von echter Art, von edlem Charakter, voller Lebenslust und gutem, oft derbem, Humor …“
Anton Scheben hinterließ – unverheiratet – seine Schwester, mit der er zusammenlebte und ein nicht unbeträchtliches Vermögen.