Kölsche Originale

Kölsche Orgenale – su woodte Minsche genannt, die juxige ov komische Enfäll hatte. Se all hatte usgefalle Idee un mancheiner soch och e bessche löstig us ov dät sich ärg klüchtig verhalde. Meddlerwiel kennt mer se kaum noch – doröm es et an der Zigg, se uns ald widder en et Gedächnis zo rofe. 

Vater Rhein

Vater Rhein (Ernst Mahner – weitere Daten unbekannt)

 

Leider kennt man keine genauen Daten des Mannes, der sich Ernst Mahner nannte und von allen nur „Vater Rhein“ gerufen wurde. Es gab ein Ereignis, welches sich im Jahre 1848 abspielte – von daher haben wir eine sehr grobe Zeitangabe, in der unser Kölner Original lebte.
Doch zunächst eine kurze Beschreibung: Ernst Mahnert war das typische Abbild eines Urmenschen – mit seiner breiten Figur, den wilden strähnigen Locken, vollen Wangen und einem prächtigen Bart. Keiner wusste genau, woher er kam und was er so trieb. Was man jedoch schnell von ihm erfuhr, war, dass er ein ausgesprochener Gesundheitsfanatiker war, dessen Universalmittel denkbar einfach und günstig war: Wasser – zur innerlichen und äußerlichen Anwendung. Um das zu beweisen, trank er auch selbst ausschließlich Wasser und ging tagtäglich oberhalb von Deutz schwimmen – egal, zu welcher Jahreszeit.
Selbst im tiefsten Winter – wenn das Treibeis über dem Rhein lag – hielt ihn nichts von seinen Gewohnheiten ab. Im Gegenteil – je ärger und dicker die Eisschollen, desto größer wurde seine Show: Er schwamm zwischen den Schollen hin und her; tauchte unter ihnen hindurch und an anderer Stelle wieder auf.
Im Februar 1848 verkündete er seinem „Publikum“, dass er am Sonntag, dem 11. Februar auf einer Eisscholle, die für ihn am Deutzer Ufer „reserviert“ wäre, den Rhein hinabfahren wolle – bis Mülheim! Natürlich standen tausende von neugierigen Menschen am besagten tag an den Ufern des Rheins. Und tatsächlich tauchte Ernst Mahner auf, wie immer unbekleidet und nur mit einem Dreizack in der Hand und mit künstlichen Kränzen in den Haaren. Auf der Scholle dahintreibend winkte er mal huldvoll seinem Publikum zu, mal sprang er ins Wasser und kletterte kurz darauf wieder auf seinen Eisplattform zurück – alles natürlich unter dem tosenden Applaus der Zuschauer. Und tatsächlich erreichte er wohlbehalten, aber natürlich halb erfroren, Mülheim, wo er schnell versorgt wurde, bevor er im Dauerlauf zu seinem Ausgangsort zurücksprintete.
In den Tagen darauf richteten die Menschen eine Sammelaktion für ihn ein, wo ein stattliches Sümmchen zusammenkam, nebst diversen Litern guten Weins. Allerdings weiß man nicht, ob Ernst Mahner daraufhin seine Lebensweise änderte.
Eines Tages war „Vater Rhein“ aus Köln verschwunden und niemand erfuhr jemals, wohin es ihn getrieben hat.