Kölsche Originale

Kölner Originale – so nannte man Menschen mit sonderbaren Einfällen und Gepflogenheiten. Sie alle besitzen ungewöhnliche Fähigkeiten und lebten zumeist im 18. / 19. Jhdt. Mittlerweile kennt man sie kaum noch – darum ist es Zeit, an sie zu erinnern und sie uns wieder einmal ins Gedächtnis zu rufen.

Meister Lupus (Cornelius Wolff 02. Dezember 1802 – 20. November 1887)

Zusammen mit seinen beiden Schwestern bewohnte Cornelius Wolff ein Haus in der Langgasse 18. Er war ein gefragter Schneider, während Johanna & Josephine Wolff eine Kurzwarenhandlung führten. In der Nähe des Hauses führte die Familie Nelles die Gaststätte „Schnapskasino“ – wo sich gerne der Mittelstand traf, jedoch waren dort auch Juristen, Maler und Beamte zu treffen. Cornelius trug dort oft zur Unterhaltung der Gäste bei, seine vielen Anekdoten fanden enormen Anklang auf Grund der Art und Weise, wie sie vorgetragen wurden. Der absolute Höhepunkt war jedes Mal das Ende eines jeden Vortrags, wo er zur Bekräftigung seiner Worte seinem Nebenmann kräftig aufs Bein schlug und sich dabei fast halbtot lachte – akustisch und auch optisch der Gipfel des Abends. Das ging immer so weit, bis er genug vom guten Punsch des Wirtes hatte; dann schickten ihn seine Freunde nach Hause, auch, um ihm vor dem Spott der anderen Gäste zu bewahren.

Der Herr Hoflieferant
Es kam der Tag, an dem Cornelius Wolff seinen Freunden mitteilte, dass er in Kürze seine 25-jährige Zugehörigkeit zur Schneiderzunft feiern wolle – dies sei doch eine hervorragende Idee, um ihm einen ehrenvollen Titel zu verleihen. Nun muss gesagt werden, dass seine Freunde ihn meist mit dem Versprechen abends heimschickten, sie müssten über seinen „Hoflieferantentitel“ beraten. Gesagt, getan – man setzte eine gute Miene auf, bildetet ein Festkomitee und plante ein großes Festessen. Als der große Tag kam, traf man sich im Weinrestaurant Hermann Disch: Die besten Karnevalsredner liefen auf, viele reden wurden auf den Jubilar gehalten – in der Mitte der Bühne verdeckte ein Tuch das „Diplom“. Bald war es so weit, der Jubilar musste viele Hände schütteln; laute Hochrufe erklangen. Doch plötzlich – der Leiter des Festes brach auf seinem Stuhl zusammen und erklärte mit zitternder Stimme, man können das Diplom dem Hoflieferanten Wolff nicht überreichen, da der Herr Hofmarschall in Berlin bergessen habe, seine Unterschrift darunterzusetzen. Viele waren daraufhin enttäuscht und verließen die Feier, der harte „Kern“ versprach dem Freund jedoch, sich schnellstmöglich darum zu kümmern. Ohne, dass Cornelius je einen Blick auf die Urkunde hätte werfen können, wurde sie „nach Berlin“ gesandt. Nie kam sie von dort nach Köln zurück und dennoch war aus dem Meister Lupus (lat. Lupus = Wolf) überall der „Herr Hoflieferant“ geworden. Ein Titel, den er mit ins Grab nahm.