Kölsche Originale

Männchen em Mond (Franz Hubert Chryselius 27. Mai 1834 - 05. April 1882)

Geboren am 27. Mai 1834 in der Wollküche 35, ist leider auch über dieses Kölner Original nicht viel bekannt. Umso wichtiger, dass wir Franz Hubert Chryselius – wie er mit richtigem Namen hieß - hier einmal vorstellen und das wenige, was man über ihn weiß, präsentieren. Beginnen wir doch zunächst mit einem Gedicht von Josef Wach, der das „Männchen em Mond“ folgendermaßen beschrieb:

„Ne klizze Kääl,
om Aug jet schääl.
De Kopp jet schepp,
ne gode Flöpp,
Großvattersch Rock,
ne rühe Stock:
Su kütt dat Männchen em Mond.

Hält Räde vill
beim Kinderspill.
Schängk och en Faht
no kölscher Aat,
loot wie en Kalv
beim letzte Halv:
Dat deit dat Männche em Mond.

Met vill Geschrei
un vill Buhei
de Kinderklick
mem Männche trick. –
Der Draum eß uhs,
hä litt jitz drus:
Schlof goot, do Männchen em Mond!“

Das Gedicht dürfte nach dem Tod vom Männchen em Mond entstanden sein. Denn Chryselius starb bereits mit 48 Jahren am 05. April 1882 an Lungenschwindsucht; selbst im Bürgerhospital war man machtlos gegen die Krankheit.

Woher der Spitzname?
Doch was ist über ihn zu Lebzeiten bekannt?
Wie er zu seinem Spitznamen „Männchem em Mond“ kam – darüber lässt sich nur spekulieren. Evtl., weil er auf Grund seiner der Zeit hinterher hinkenden Ansichten „auf dem Mond lebte“, oder - da er sich sehr merkwürdig kleidete – „vom Mond kam“? Vielleicht sprach er aber auch bei Vollmond besonders dem Alkohol zu – nun, das taten viele andere auch. Fakt ist, dass eine große Gruppe Kinder dem kleingewachsenen Mann durch die Kölner Straßen folgt. Recht sonderbar gekleidet und ständig über alles und jeden schimpfend, sorgte Chryselius wohl zu damaliger Zeit für Abwechslung in der Kölner Jugend.
In der Regel trug „et Männche em Mond“ das an Bekleidung, was er geschenkt bekam. Viele Händler machten sich einen Spaß daraus, ihm besonders unpassende Kleidung zu schenken, wohlwissend, dass er sich damit noch mehr der Lächerlichkeit preisgab.

Einer von "Kölns großen Geistern"
Und trotzdem zählte ihn 1878 ein unbekannter Dichter noch zu Lebzeiten zu „Kölns großen Geistern“:

Wat eß dat för ‘ne kötteligen Ditz,
su klein hä eß, ‘su frech eß och dä Brave,
met Stolz dräht hä ‘ne preußische Schnorritz
un schänge kann hä, we om ahle Grave.
Gewöhnlich hät hä sich jet angetroont,
un hinger im sin dann zweihundert Junge,
‘Ne Schutzmann schreit sich drüch un heiser bahl de Lunge:
“Halt mer doch faß dat Männche en dem Mond.“

Eine kleine Erinnerung an einen Mann, dessen Todestag sich 2022 zum 140. Male jährt!