Kölsche Originale

Kölner Originale – so nannte man Menschen mit sonderbaren Einfällen und Gepflogenheiten. Sie alle besitzen ungewöhnliche Fähigkeiten und lebten zumeist im 18. / 19. Jhdt. Mittlerweile kennt man sie kaum noch – darum ist es Zeit, an sie zu erinnern und sie uns wieder einmal ins Gedächtnis zu rufen.

Maler Bock (Heinrich Peter Bock 30.07.1822 - 03.10.1878)

Geboren in der Maximinenstr., sollte Heinrich Peter Bock eigentlich das Metzgerhandwerk erlernen, doch bereits in jungen Jahren hatte er anderes im Kopf & rief damit die allgemeine Heiterkeit der Bevölkerung hervor.  So dekorierte er beispielsweise – wenn die Kirmes nahte – die Giebel seines Hauses mit uralten Gemälden. Dann setzte sich der „Künstler“ in die Fenster & schaute stolz hinunter. Mit 19 Jahren ging Heinrich freiwillig zu den Dragonern, doch bereits nach einigen Wochen wurde er wieder entlassen. „Zu närrisch“ war das Urteil der Preußen und man ließ ihn die Kompanie verlassen. Zur Erinnerung trug er fortan an einem Schuh einen Sporn als „ehemaliger leichter Karnevalist“. Heinrich Peter Bock ist zwar ein enthusiastischer Kunstfreund & dennoch hat er von Kunst selbst kaum eine Idee. Von vielen wurde  er geschildert als „junger, kräftiger Mann, der in voller Blüte steht und von imposanter Statur ist.“ Dass er dennoch auf die schiefe Bahn gerät, verdankt er – nicht zuletzt – seiner angeborenen Faulheit. Zudem beklatschten seine Mitbürger alles was er tat und wo er sich etwas borgte, gaben seine Gönner ihm noch etwas dazu.

Maler Bock und seine Wohnsituation
Seine Wohnsitze waren, je nach Jahreszeit, die Promenade oder die alte Stadtmauer. Wurde es kälter bezog er einen Möbelwagen oder Kohlenkarren oder sogar einen großen, eisernen Dampfkessel. Oft genug jedoch kam Bock mit Hütern der öffentlichen Ordnung in Konflikt. Vor allem, weil der Künstler sich weigerte, sich eine feste Unterkunft zu suchen. Einmal wurde er wegen „obdachlosen Umhertreibens“ verhaftet & sollte mit vier Wochen Haft bestraft werden. Doch er legte Berufung ein & vertrat sich auf der Anklagebank selbst. Die Verteidigungsrede war so gelungen, dass selbst der Staatsanwalt beim richterlichen Freispruch keinen Einspruch erhob.
Als am 1. Juli 1861 das Wallraf-Richartz-Museum eingeweiht wird, ist natürlich auch der kunstinteressierte Heinrich neugierig auf die Ausstellung. Wie so oft setzte er sich gekonnt in Szene, hielt Vorträge & Führungen. Damit schuf er sich jedoch nicht nur Freunde und letztendlich wurde ihm ein Hausverbot erteilt, was natürlich zu großer Aufregung führte.

Maler Bock und die Kölner Wirtsfrauen
Auch Bock und die Damenwelt waren ein Kapitel für sich. So trug es sich zu, dass Bock – dank eines besorgten Mitbürgers – die Stelle eines Wächters erhielt. Bald fühlte er sich jedoch einsam und führte daraufhin schon bald eine Dame heim. Nun ist bis heute nicht geklärt, was passierte, jedoch ist überliefert, dass sich die Dame – nackt – auf das Dach des Hauses flüchtete und jämmerlich um Hilfe rief. Nachbarn eilten herbei & kurz darauf musste Heinrich Peter seine Unterkunft gegen eine Zelle tauschen. Doch im höheren Alter – und zunehmender Bekanntschaft – wurde ihm die Damenwelt zugänglicher. Als vollendeter Kavalier trug er die Damen über Pfützen, wenn es regnete, schuf Gassen, wenn es zu eng auf der Straße war & gratulierte, sobald ein Namenstag anstand. Am liebsten natürlich, wenn es eine Wirtsfrau war und er anschließend verköstigt wurde. Zudem kam er nie mit leeren Händen, sondern hatte immer einen Strauß selbstgepflückter Blumen dabei. Diese mussten jedoch oft für mehrere Frauen herhalten, denn sobald Bock gesättigt war (dazu brauchte es einiges an Brot, Käse und Bier), nahm er den Strauß aus der Vase, verbeugte sich und sagte: „Schöne Dame, ich wiederhole meinen Glückwunsch, ich muss aber noch einer anderen Dame zum Namenstag gratulieren.“ Mit der Zeit wetteiferten die Kölner Wirtinnen um seine Gunst. Was für die Marktfrauen das Fleuten-Arnöldchen war, war für die Wirtsfrauen der Maler Bock.

Immer für einen Scherz zu haben
Auch für seine Sammlerwut war Maler Bock berühmt. Diese kam ihm besonders während des deutsch/französischen Krieges 1870/71 zugute. Zwar war er als „Aktiver“ nicht tauglich, doch sein Prunkstück – ein preußischer Tambourmajorstock – machte auf der Straße einiges her. Augenzeuge Wilhelm Millowitsch berichtete später von einer Aussage Bocks: „Fürchtet euch nicht – ich kämpfe mit euch!“
Einige Zeit später war Bock in der Arbeitsanstalt Brauweiler einquartiert, wo er Direktor ihn fragte, ob er – aufgrund seines Maltalents – Lust hätte, die romanischen Wandmalereien der Kirche zu restaurieren. Bock verneinte jedoch mit der Antwort: „Spätere Geschlechter werden sagen, welch vorzüglicher Restaurator hat diese schlechten, primitiven Malereien so vorzüglich restauriert?“
Am 26.07.1877 wurde Bock ins Bürgerhospital eingeliefert. Die Ärzte ahnten bereits, er würde nicht mehr lange ihr Patient sein. Mehrfach wurde er operiert, am 05.06.1878 überwiesen sie ihn in haus Lindenburg. Doch bereits nach zwei Monaten fand er eine neue Unterkunft in der Provinzial-Irrenanstalt in Düren, wo er a 03.12.1878 verstarb.

Köln verlor somit eine der bekanntesten Straßenfiguren fernab der Heimat. In Düren beigesetzt, unerkannt und ohne geschmücktes Grab. Kaum einem Dürener war bekannt, welch große Figur bei ihnen die letzte Ruhe fand. Doch in Köln blieb er unvergessen und zahlreiche Lieder wurden auf ihn getextet. Natürlich brachten auch diverse Theater sein Leben auf die Bühne und auch im Karneval findet seine Figur noch statt. Selbst die Stadt hat ihm eine späte Ehrung zukommen lassen. Das Maler-Bock-Gässchen erinnert an einen Mann, der bestimmt auch in der heutigen Zeit noch für ständigen Gesprächsstoff gesorgt hätte.