2. Kölsch-Literaturwettbewerb

Furioses Finale beim Kulturverein Schloss Eulenbroich in Rösrath

Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr hatte der Kulturverein Schloss Eulenbroich zusammen mit der Rösrather Rembold Stiftung erneut zum Literaturwettbewerb op Kölsch eingeladen. Sechs Finalisten stellten im Bergischen Saal von Schloss Eulenbroich ihre Texte vor und warben um die Gunst der Zuhörer. Zuvor hatte die mit den Mundart-Profis Monika Kampmann, Thomas Cüpper alias „Et Klimpermännche“, Autor Dr. Bernd Hambüchen und Mundart-Autorin Paula Hiertz besetzte Jury in einem anonymisierten Verfahren die Top drei in jeder Kategorie nach festgelegten Kriterien ausgewählt. Organisatorin Ingrid Ittel-Fernau, Vors. Kulturverein Schloss Eulenbroich, stellte die Finalisten vor. 
Dr. Jürgen Rembold, Stifter der Preisgelder und Mitinitiator der Veranstaltung, stimmte das Publikum mit launigen Worten auf einen unterhaltsamen Abend ein. „Obwohl ich Mathematiker bin, habe ich einen Kölsch-Kurs belegt und tatsächlich bestanden“, verrät der gebürtige Kölner. Mit der Unterstützung des Wettbewerbs wolle er seinen ganz persönlichen Beitrag zum Erhalt der Kölschen Sprache leisten, die ihm sehr am Herzen liege. 
Mit viel Herzblut und Hingabe präsentierten die Autoren ihre selbst kreierten Beiträge und ließen das Publikum die hochsommerlichen Temperaturen „för dä Moment“ vergessen. Mit seiner ProsaPersiflage „Kütt vielleich bahl“ über die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) entlockte Hermann Hertling den Zuhörern im Saal schallendes Gelächter. In der urkomischen Geschichte schildert er die Beobachtungen seines Freundes am dreigleisigen Brühler Bahnhof, wo ein Zug nach Bonn und einer nach Kölle abfahren sollte, das dritte Gleis diente stets „der Bahn, die jerade Paus mache dät“. Aber welcher Zug ist denn nun welcher? Zum Schluss gerät alles durcheinander - Anweisung aus Köln, versteht sich - und „de Lück konnte nit gleuve, dat se alle ussteige mösse“. 
Die zweiten Plätze belegten in der Kategorie Lyrik Franz-Günther Starke mit „Et Handy Leed“ und Hans Esch mit „Do bes noch nit lans Schmitz Backes“ in der Kategorie Prosa. Starke beklagt in seinem Gedicht, dass „et selbst noch in der Grabesruh et Handy-Duddelei“ gebe. Esch, der nach Kölner Lesart aus „Preußisch-Sibirien“, also aus der Eifel stammt, kam durch einen „Ratgeber für künftige Rentner“ zur kölschen Mundart.Mit  „Da stand, man solle eine Fremdsprache lernen“, erntete er die ersten Lacher, und so habe er bei der Akademie för uns Kölsche Sproch einen Kurs belegt. Das Ergebnis kann sich hören lassen. Nur ganz knapp schliddert er mit seiner Anekdote über einen Landarzt an Platz eins vorbei, der nach einem feucht-fröhlichen Abend an einem blinkenden Polizeiauto hält und sicher ist: „Jez is der Lappe fott“. Als sich herausstellt, dass die Polizei einen Unfall aufnimmt, bietet er,  vom Gewissen geplagt,  seine Hilfe als Arzt an, die jedoch nicht benötigt wird. Erleichtert tritt er den Heimweg an und staunt nicht schlecht, als am nächsten Morgen doch noch die Polizei vor seine Türe steht auf der Suche nach ihrem Auto, in das er versehentlich eingestiegen war. 
Die dritten Plätze gingen an Heinz-Otto Siebert mit dem Gedicht „Do sähs“ und Ewald Fischer mit dem Prosastück „Dönnemännche und Deckmadam“, der wegen Kreislaufproblemen nicht persönlich kommen konnte und von Monika Kampmann als Vortragende vertreten wurde.
Zum Abschluss feiert das Publikum die sechs Finalisten mit viel Applaus. Stifter Dr. Jürgen Rembold ehrte die Teilnehmer mit Urkunden, einem Paket Rösrather Kulturkaffee samt Tasse und Schecks in Höhe von je 300, 200 und 100 Euro. Hauptgewinner des Abends war allerdings unstrittig die Kölsche Sproch. Lyrikgewinner Mahlke brachte es so auf den Punkt: „Auf Kölsch kann man etwas ausdrücken, das man in keiner anderen Sprache wiedergeben kann“.
Petra Stoll-Hennen

Der Wettbewerb in 2020 wird vom Kulturverein wieder ausgeschrieben, findet am 24.06.2020, 19:30 in Schloss Eulenbroich Rösrath statt.
Nähere Auskunft in Krune un Flamme am 1.12.2019  oder kultur@kulturverein-schloss- eulebroich.de

www.kulturverein-schloss-eulenbroich.de