Was macht denn der Chor der“ Fründe vun der Akademie för uns kölsche Sproch „e.V. in Corona Zeiten?

(Foto: Benjamin Balsereit, Foto Audio Balsereit)

Ein Chor will singen, den Menschen Freude machen, ihre Herzen berühren. Er will proben und Konzerte geben und andere zum Mitsingen einladen. Wir brauchen die Gemeinschaft, den Chorleiter, die Melodien, das Publikum. Und nun? Nix!  Keine Probe, der Probenraum ist zu klein und alle Auftritte sind abgesagt. Nix, wirklich nix!

Wir versuchen den schmerzlichen Verlust allein zu kompensieren. Wir singen zu Hause,- gnadenlos, voller Inbrunst und Verzweiflung. Man munkelt, dass es bei dem einen oder anderen schon mal zu häuslicher Gewalt gekommen sein soll. Auch die besten, sonst so freundlichen Nachbarn distanzieren sich und laden uns abends nicht mehr auf ein Kölsch ein. Wir holen die verstaubte Nähmaschine aus dem Keller und zerschneiden lustvoll unmodern gewordene Sonntagstischdecken in Streifen für Corona-Schutzmasken.
Der Vorstand, das sogenannte „Kränzchen“ sucht genervt nach Alternativen, unter strikter Einhaltung der Corona Regeln.
Warum eigentlich nicht im Dom proben? Der Dom ist groß genug. Mit den Abstandsregeln von 2.50 m seitlichem Abstand und 4.00 m bis zum Vordermann, auf einer Domgrundfläche von 8000 qm, kein Problem. Das passt für alle 70 Sänger. Und für die Mitglieder des Domkapitels wäre auf den fast 20000 Besucherplätzen auch noch Platz genug. Andreas, unser Chorleiter spielt dann eben Orgel anstatt Klavier. Und - aber nur ausnahmsweise darf der Decke Pitter mit seinem tiefen C das Klangvolumen erweitern. Müsste doch gehen, oder?
Oder eine Chorprobe im Zoo? Da hätten wir auch erlaubtes tierisches Premierenpublikum. Verteilt um den Seelöwenteich müsste ausreichend Platz für alle Sänger sein. Andreas steht mit dem Quetsch – die kann der auch spielen - oben auf dem Seelöwenfelsen und verteilt ab und zu ein paar Heringe an die Robben. Sie danken es ihm mit bühnenreifem crescendo Flossenklatschen.
Oder, wie wäre es im Rhein-Energie-Stadion? Das steht ja sowieso leer. Mit dem FC -Präsidenten würden wir uns schon einig. Vielleicht ziehen wir mit den Spielern zuerst gemeinsam unter den Klängen der FC-Hymne ins Stadion ein. Anschließend proben wir in der Südkurve, die Spieler trainieren vor der Nordkurve. Besser geht es doch wirklich nicht!
Das Kränzchen wird diese alternativen Probenorte intensiv und unnachgiebig prüfen, mit dem Ziel, dem Leiden der Chormitglieder im Sommer endlich ein Ende zu machen.
Um den Corona -Sommer schnell zu vergessen hat der Chorleiter sich für uns auch etwas ausgedacht. Er hat ein neues Lied arrangiert, damit wir endlich auf andere Gedanken kommen. Weg vom Sommer mit seinen Verboten und Aerosolen, hin zur vertrauten, tröstenden Weihnachtszeit, mit Schnee und Heiligabend. Das Lied „White Christmas“ op kölsch üben wir jetzt, noch alleine zu Hause, aber sicherlich bald wieder in der Chorgemeinschaft und hoffen auf „weiße Weihnachten“. Und ob die in Köln gelingt, ist auch noch offen.

(Text: Ulrike Rohr, Pressesprecherin vom Chor der „Fründe vun der Akademie för uns kölsche Sproch“ e.V.)