Die heilige Walburga

Namensgeberin einer Hexennacht

Die Walpurgisnacht, die Nacht vor dem ersten Mai, in der Feuer brennen wie in der Johannis- oder der Osternacht, gehört den Hexen, die auf ihren Besen zum Brocken fliegen, um mit ihrem Tanz dem Teufel zu huldigen. Der Name leitet sich jedoch von einer Heiligen ab, der heiligen Walburga. Ihr ist der erste Mai geweiht. Sie vertreibt die dunklen Gestalten und lässt die Sonne hervortreten und die Natur grünen. So dachten die Menschen früher.

Mit der fortschreitenden Verstädterung und dem Schwinden des Geisterglaubens wurde die Walpurgisnacht ein Teil der Märchenwelt. Die Verbindung der heiligen Walburga zu dieser Nacht ist kaum noch bekannt, die Heilige selbst spielt nur noch eine untergeordnete Rolle im religiösen Leben.

Völlig zu Unrecht, wie ihr bewegtes Leben beweist. Sie wurde um 710 in Wessex, England, geboren, als Tochter des englischen Stammesfürsten Richard. Die Familie brachte eine große Zahl von Vorkämpfern für das Christentum hervor. Ihr Vater wurde als "Richard der Angelsachse" heiliggesprochen, ihre Brüder waren die Bischöfe und Germanenmissionare Willibald und Wunibald, der heilige Bonifatius war ebenfalls ein Verwandter.

Der Mönch Wolfhard von Herrieden, der ihre Biographie geschrieben hat, hebt ihre Selbständigkeit und Tatkraft hervor, die schon in Kindheit und Jugend zutage trat, da sie früh ihre Eltern verloren hatte. Sie wuchs im Kloster Winborn auf und erhielt dort eine ausgezeichnete Ausbildung. Obwohl jeder von der Tochter eines Stammesfürsten erwartete, dass sie einen Adligen heiraten würde, beschloss Walburga, im Kloster zu bleiben. Noch lieber hätte sie sich ihren Brüdern angeschlossen, die sich zu Bonifatius auf den Kontinent begaben. Dieser jedoch zögerte, Frauen in seinen Kreis aufzunehmen, da er die Strapazen der Mission für zu groß hielt. Erst 748 änderte er seine Meinung, und Walburga kam mit über dreißig Begleiterinnen nach Europa. Die Legende berichtet von einer stürmischen Überfahrt, die eine Panik auf dem Schiff hervorrief. Walburga gelang es, die Menschen zu beruhigen, und sie gelangten glücklich an Land. Daher gilt sie auch als Schutzpatronin der Seefahrer.

In Mainz trafen sie auf Bonifatius, Willibald und Wunibald. Sie blieben eine Zeitlang am Ort, wo Walburga unter die Benediktiner aufgenommen und geschult wurde.

Nach 750 kam sie an ihren endgültigen Wirkungsort, das Kloster Heidenheim. Es liegt zwischen Altmühl und Wörnitz und war die Residenz Wunibalds. Im benachbarten Eichstätt übte Willibald sein Bischofsamt aus. Als der kränkelnde Wunibald 761 oder 762 starb, ernannte Willibald seine Schwester zur Äbtissin des Frauen- und auch des Männerklosters. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt schon eine Schule gegründet, die großen Zulauf hatte. Auch das Kloster selbst war aufgeblüht. Bis zu ihrem Tod am 25. Februar 779 erwarb sie sich großen Ansehen, ihre Taten sind aber von der Legende so ausgeschmückt worden, dass man nicht mehr zwischen Realität und Fiktion unterscheiden kann. Ihre Bedeutung lässt sich aber daran ermessen, dass ihre Gebeine, die zunächst in Heidenheim bestattet wurden, am ersten Mai 870 nach Eichstätt überführt wurden. Da sie an diesem Tag heiliggesprochen wurde, feiert man auch am ersten Mai ihr Fest. Sie wird als Nothelferin bei Seuchen und Hungersnöten angerufen.

Außer der Walpurgisnacht kennt die Sage noch das Walburgiskraut, ein Heilkraut gegen Geschwüre und Wunden, das auch magische Kräfte haben soll, sowie das Walburgisöl, eine Flüssigkeit, die aus den Steinplatten ihres Grabes läuft. Die Nonnen von Eichstätt füllen sie in Fläschchen ab und verteilen sie bis heute gegen eine Spende an die Pilger. Bevor man aber zu viel Hoffnung in dieses „Öl“ setzt, sollte man sich die Analyse des Kriminalbiologen Mark Benecke vornehmen.

 

Ingeborg Nitt

Foto: Skulptur der heiligen Walburga in Walberberg. Als Attribute trägt sie einen Krummstab, ein Buch und ein Fläschchen ihres berühmten Öls. ©: Prof. emeritus Hans Schneider (Geyersberg), Walberberg Walburgisstraße Denkmal (02), CC BY 4.0