Gedenktafeln in Köln

„Zur Erinnerung an die Toten und als Mahnung für die Lebenden“

Wer heutzutage über die Schildergasse schlendert, macht sich nicht bewusst, welch abwechslungsreiche Geschichte diese zur reinen Einkaufsmeile mutierte Straße zu bieten hat. 

An der Ecke Schildergasse/Krebsgasse kann der aufmerksame Spaziergänger auf dem Boden eine Gedenkplatte entdecken, die an das ehemalige Polizeipräsidium erinnert, das von 1907 bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg an dieser Stelle stand. Von 1933 bis 1935 war dort auch die Gestapo untergebracht, bevor sie in das EL-DE-Haus zog. Besonders in diesen zwei Jahren, aber auch noch später, wurden im Polizeipräsidium politische Gefangene misshandelt und eingekerkert. Der Journalist und SPD-Politiker Wilhelm Sollmann war einer der prominentesten Kölner Bürger, der gleich zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft von SA- und SS-Mitgliedern überfallen, gefoltert und schließlich ins Polizeipräsidium eingeliefert wurde. 
1981, spät genug, entschloss sich der Rat der Stadt Köln, „zur Erinnerung an die Toten und als Mahnung für die Lebenden“ eine Tafel an diesem stark frequentierten Ort anzubringen. Da der Hausbesitzer eine Befestigung an seiner Hauswand ablehnte, musste die Platte auf dem Boden verlegt werden, wo sie, von Zigarettenstummeln und Vogelkot verdreckt, kaum auffiel. Mittlerweile liegt sie genau auf der Ecke der beiden Straßen, fällt aber trotzdem nicht auf.

Eine abwechslungsreiche Geschichte

 
Bereits in römischer Zeit war die Schildergasse, der „decumanus maximus“, eine Hauptstraße der CCAA. Die frühesten Bauten lassen sich an der Ecke Krebsgasse jedoch erst im Laufe des Mittelalters nachweisen. Mehrere Höfe und Häuser lagen hier. 1631 erwarb der Konvent der Klarissen das Haus „Zum Ochsen“ und einige benachbarte Grundstücke, um das Kloster „Zu den heiligen Schutzengeln“ zu gründen. 1640 konnten die Schwestern einziehen und lebten dort nach den Regeln der heiligen Klara bis 1798, als die französischen Herrscher im Zuge der Säkularisation die Räumung des Klosters verlangten. Die Kirche wurde abgerissen und das Kloster zu einem Zivilgefängnis umgebaut, dem „Rheinischen Arrest- und Correctionshaus“. An den Arbeiten waren der Blechschläger Alexander Hittorf, Vater des Architekten Jakob Ignatz Hittorf (1794-1864), auch Blechen Alexander genannt, und der Maurermeister Johannes Butz beteiligt. Aus diesen beiden Namen bildete der Volksmund den Ausdruck „Bleche Botz“, der später auf Gefängnisse im Allgemeinen übertragen wurde. 
Rund 45 Jahre später wurde es in ein reines Frauengefängnis umgewandelt. Der offizielle Name lautete „Königliche Straf- und Besserungsanstalt für weibliche Gefangene“. Der Kölner nannte es kurz und knapp „Weiberanstalt“. Die wohl berühmteste Insassin dürfte die als „rote Gräfin“ bekannte deutsche Sozialistin Sophie Gräfin von Hatzfeld (1805-1881) gewesen sein. Sie war die Lebensgefährtin des sozialistischen Politikers Ferdinand Lassalle (1825-1864) und auch selbst politisch überaus aktiv. Im Zuge der 1848/49er Märzrevolution wurde sie am 20. Mai 1849 für zwei Monate inhaftiert. 
Um 1876 übernahm die Reichspost das Gebäude und nutzte es bis zu seinem Abriss. 
Ab 1904 erfolgte der Bau des Polizeipräsidiums, dem die „Bleche Botz“ und benachbarte Häuser weichen mussten. Der imposante Turm des neoromanischen Gebäudes wurde zu einem Blickfang am Neumarkt und bildete den Gegenpart zum Turm der Apostelkirche, dem Apostelklotz. 
Die Bomben des Zweiten Weltkriegs zerstörten nicht nur das Polizeipräsidium, sondern töteten vor allem eine große Zahl Gefangener. Heute steht dort u. a. das mittlerweile umgebaute „Turmhaus“ von Wilhelm Riphahn, das 1956 errichtet wurde.

Ingeborg Nitt

Fotos: 
1. Die im Boden verlegte Gedenktafel (Foto: I. Nitt) 
2. Das Polizeipräsidium am Neumarkt (Aus: Paul Lauing, Die Geschichte der Kölner Polizei, Köln 1926, S. 156)