Sprache oder Dialekt?

Ist Kölsch eine eigenständige Sprache oder ist es ein Dialekt des Deutschen

Voraussetzungen einer Sprachvarietät (umfasst Sprachen und Dialekte) als eine eigenständige Sprache:

1) Hat sich die Sprachvarietät historisch entwickelt? (sind Texte aus älteren 'Sprachphasen' überliefert?)
2) Wie hoch ist der Grad der Standardisierung? (gibt es eine einheitliche Rechtschreibung, gibt es Wörterbücher?)
3) Wie hoch ist der Grad der Anerkennung? (ist die Varietät als offizielle Sprache anerkannt?)
4) Welche Auffassung haben die Sprecher über den Status ihres Kommunikationsmediums? (finden die Sprecher, dass sie eine separate Sprache sprechen?)

zu 1): Entwicklungsgeschichtlich ist Kölsch eine aus dem Ripuarischen auf natürlichem Weg hervorgegangene Sprachform.
zu 2): Es gibt keine einheitliche Rechtschreibung, und in den existierenden Wörterbüchern wird uneinheitlich geschrieben.
zu 3): Kölsch ist nicht nur nicht offiziell anerkannt, es wird nur noch in seltenen Fällen in der Familie an die jüngeren Generationen weitergegeben; in der Schule wird Kölsch nicht unterrichtet (außer in freiwilligen AGs).
zu 4): Das alte Kölsch, das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch von vielen Kölnern regelmäßig in der Familie gesprochen und an die Kinder weitergegeben wurde, wird immer weniger gesprochen. Das spricht dafür, dass die Sprecher Kölsch nicht als separate Sprache verstehen.

Anmerkung: Zwischen Standardsprache und Dialekt ist eine weitere Sprachstufe anzusetzen, die "Regionalsprache", bzw. der "Regiolekt" (Cornelissen: "Rheinisch"). Seine Basis ist Deutsch, die Sprecher wenden aber bestimmte Merkmale des Kölschen an, wie z. B. "G" im Anlaut wie "J" und deutsches "ch" wie "sch" auszusprechen, die Verwendung von "t" statt "s" in Wörtern wie "dat", "wat" und "et" oder der Wegfall von "t" im Wortauslaut in Wörtern wie "sin", "un", "jetz", "es".