Kunst mit Hund

Stadtführung als Gassigang

 

Wenn ich ins Museum gehe, bleibt der Hund zu Hause. Normalerweise. Bei der Stadtführung mit Hund ist es mal anders. Hundi geht mit, schaut sich Kunst im Skulpturenpark an, dackelt am Rhein entlang zur Bastei, dann zum aktuellen Kölner Unort, dem Ebertplatz und auf den Eigelstein.  Mit vielen anderen Hunden an der Leine und ihren Frauchen und Herrchen. Wir erleben Kunst unter freiem Himmel und erweitern unser Stadtgedächtnis um Geschichten von Napoleon und dem kölschen Bor. Damit sich die Hunde ein bisschen beschnuppern können, treffen wir uns am Lentpark, um dann gemeinsam zu unserer ersten Station, dem Kölner Skulpturenpark, zu gehen.

Kunst mit Hund
Der Skulpturenpark Köln ist ein ca. 3,5 ha großer Park mit Außenskulpturen deutscher und internationaler Künstler. Gelegen zwischen Zoo, Seilbahn und Rheinufer gilt er als einer der schönsten Kunstorte im Rheinland. Der Skulpturenpark Köln wurde durch die Privatinitiative des Sammlerehepaares Dr. Michael und Dr. Eleonore Stoffel 1997 ins Leben gerufen und feierte im letzten Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Zu Werken von Peter Fischli/David Weiss oder Jenny Holzer und Ulrich Rückriem aus der Dauerausstellung gesellen sich im Jubiläumsjahr acht neue Auftragsproduktionen hinzu. Unter dem Titel „La Fin de Babylone. Mich wundert, dass ich so fröhlich bin!“ nimmt die Kuratorin Chus Martinez Bezug auf die Märchen von 1001 Nacht sowie die große Anstrengung von Künstlern, immer etwas Herausragendes zu schaffen.

Popart trifft Konzeptualismus im zwanglosen Miteinander
Zu sehen sind Marmor Kakteen von Claudia Comte, ein Spiegelei auf Stein von Pedro Wirz, eine Nacktschnecke aus Harz von Teresa Solar, Tierskulpturen zwischen Primitivismus und Moderne von Lin May Saeed und die Skulptur „Kreuz und Schnaps“ von Jan Kiefer. Chus Martinez ist eine viel beschäftigte Kuratorin. In ihrer Vita finden wir Stationen wie den Frankfurter Kunstverein, die documenta, das Museo Reina Sofia oder auch die Biennale São Paulo als Orte ihres Schaffens.

Nach moderner Kunst Einstieg in kölsche Stadtgeschichte
Vom Skulpturenpark schlendern wir am Rheinufer entlang bis zur Bastei. Das von Wilhelm Riphahn entworfene Aussichtsrestaurant hat einen ungewöhnlichen Überbau, der acht Meter über das Rheinufer hinausragt. Von dort aus geht es auf direktem Weg über die Grünfläche zum Ebertplatz. Hier haben die Franzosen während ihrer Kölner Besatzungszeit einen 500 Meter langen und 50 Meter breiten Hafen gebaut, der als Sicherheitshafen gegen Eisgang und Hochwasser dienen sollte.  Leider aber war dieses Projekt durch Fehlplanungen dem Untergang geweiht. Der Hafen versandete nach 1840 und wurde 1890 zugeschüttet. Die Preußen planten dann mit ihrem Stadtbaumeister Josef Stübben einen halbkreisförmigen Prachtboulevard mit Park und Springbrunnenbassin. Heute ist der Ebertplatz ein problematischer Platz. In den dunkeln Ecken treiben Drogendealer und andere Kriminelle ihr Unwesen.
Weiter geht es zur Eigelsteintorburg, wo wir auch ein Gläschen Kölsch trinken, um die Geschichte vom kölschen Bor und dem Fressklötsch zu hören. Der Eigelstein war unter den Römern Teil der römischen Heerstraße Cardo Maximus und beherbergt heute u.a. Brauhäuser wie das Weinhaus Vogel sowie einen Mix aus Handyläden, türkischen Supermärkten und erlesenen Restaurants. Wir sehen rechts die Kirche Sankt Ursula mit ihrer Goldenen Kammer, die mit Kochen von Heiligen ausgekleidet ist. Vorbei an der erlesenen Enoteca und dem schicken Hilton gehen wir Richtung Dom, dann über die Domplatte zum Heinzelmännchenbrunnen und beenden unsere Tour auf dem Willi Ostermannplatz. Spätestens dort ist uns klar, och wat wor dat fröher schön hee en Colonia.   
Offen bleiben die Fragen: Interessiert sich der Hund für Kunst und was weiß der Hund dann über Stadtgeschichte? Fazit wird sein: Wo sind wir mit unseren Vierbeinern herzlich willkommen?  

Mit: Kathrin Strehle, Hundetrainerin, Hein Engels, Stadtführer und Dr. Susanne Stoffel, Leiterin des Kölner Skulpturenparks.
Hinweis
: Der Hund muss sozial verträglich und versichert sein sowie an der Leine gehen.

 

Fotos:
Claudia Comte, The Nordic Cactuses, 2017. Claudia Comte und KÖNIG GALERIE,
Berlin/London © Stiftung Skulpturenpark Köln, 2018. Foto: Gunnar Meier

Skulpturenpark Köln, Parkansicht KölnSkulptur #9 © Stiftung Skulpturenpark Köln, 2018.

Foto: Veit Landwehr, bildpark.net 
Pedro Wirz, Trilobites, 2013/2017. Courtesy of the artist © Stiftung Skulpturenpark Köln, 2018. Foto: Veit Landwehr, bildpark.net
Foto von Kathrin Strehle: Ralph Günther